
Der in Berlin lebende, 1971 in Salzburg geborene Künstler ist durch seine aus Malerei, Grafik und Zeichnung bestehenden Wandinstallationen bekannt. Die Ausstellung
„Die Stummen, die Tauben, die Blinden“ fand im November 2005 statt.
Die collagierten und miteinander kombinierten Arbeiten liegen einem von Poesie und Zufall bestimmten, provisorisch scheinenden Konzept zugrunde, das Reproduzierbarkeit, Irritation und Illusionismus vereint. Der Betrachter wird emotional und körperlich in den neuen Erfahrungsraum integriert, in dem skurrile Portraits von Mensch und Tier mit gezimmerten, plakatierten Holzwänden sowie abstrakten Mustern vereint sind.
Die aus zahlreichen Zeichnungen zusammengesetzten, poetischen Wandinstallationen Christian Schwarzwalds zeugen von der Verknüpfung zeitkritischer Inhalte mit gehaltvollen Stimmungsbildern. Erzählerisch und berührend führt der Künstler in neue Sehdimensionen, die das Gefühl für Zeit und Raum, das Verständnis von Vergangenem und Zukunft sprengen. Spannungsvoll platziert er im Raum seine durch den Einsatz von Schwarz, Rot und Blau intensivierten, kontrastreichen Arbeiten.

Techniken /Papier, 32 x 24 cm, 2003
Die Installationskunst könnte somit die Verkörperlichung dessen sein, was wir unter dem Prozess der Bedeutungsproduktion verstehen. Darin besteht auch die kommunikative Funktion der Installation. Ihre konzeptuell konstitutiven Elemente sind die Bildsprache, die Position des Betrachters, der Körper, das Nicht Identische.
Die charakteristischen Eigenschaften Ihres Systems sind Wiederverwertung und Decodierung.
Ihr Raum ist Territorium des Übergangs und der Verschiebung von einer Zeichenebene zur anderen, vom Bild zur Bildsphäre. Auch Grenzen, Begrenzungen sind für die Gestaltung einer Installation von Bedeutung, durch sie werden die ausgestellten Objekte fixiert, während die Sinnproduktion durch die Erfahrung des Betrachters vollzogen wird.
Jede neue Installation markiert einen neuen Ursprung, mit jedem Abbau wird die Gesamtheit reflektiert, ein Kapitel markiert. Wir selbst sind heute Teil dieses Kapitels, das uns Christian Schwarzwald heute eröffnet.
In der Welt der Installation finden sich Privates und Kollektives. Die Arbeit Christian Schwarzwalds versteht sich als ständige Auseinandersetzung mit Lebewesen, Strukturen, Spuren und Zeitzeugnissen. Es ist eine Inszenierung einer Welt, in der Mensch und Tier versuchen, ihr eigenes Territorium zu erhalten und miteinander auszukommen. Virtuosität und Witz sind auch im Titel enthalten: die Stummen, die Tauben, die Blinden. Forscht man etwas nach, gelangt man zum Evangelium des Johannes wo steht: Denn Ihr müsst ja nicht als erzürnte Richter, sondern als wahrhaft weise Lehrer und Freunde der Blinden, Tauben und Stummen auftreten, so werden sie sich dann von euch schon lenken lassen. Oder:Oh Ihr Blinden, Ihr Tauben, Ihr Toren am Herzen und am Verstande, ist denn ein Mensch vor Gott weniger wert als ein Tier?
Ganz so prophetisch sieht Schwarzwald seine Arbeit nicht, er lässt sie entstehen, locker und beiläufig, doch nach wiederkehrenden Kriterien der Anordnung und Thematik, die er ad Absurdum führt.

Christian Schwarzwald - DIE STUMMEN, DIE TAUBEN, DIE BLINDEN
Christian Schwarzwald war einer von fünf außergewöhnlichen Künstlern, die im Rahmen unseres alljährlichen ART AWARD unter 375 Bewerbern von der Jury ausgewählt wurden.
Christian Schwarzwald ist kein Unbekannter mehr, seine Arbeit hat national und international bereits große Beachtung gefunden. Ausstellungen in der Galerie Krinzinger in Wien seit den 90er Jahren waren sein Sprungbrett. Bei der Art Frankfurt erregte er Aufsehen, Galerien in New York, Berlin, Amsterdam zeigten seine Arbeiten. Der Villa Romana Preis, der Senefelder Preis, der Kunstpreis des Landes Salzburg, der Faistauer Preis sind nur einige Auszeichnungen, die der 1971 in Salzburg geborenen Künstler bereits erhalten hat. Er besuchte die Akademie der bildenden Künste in Wien und lebt und arbeitet in Berlin.

Die Stummen, die Tauben, die Blinden ist eine Zeichnungs- und Rauminstallation, die er extra für die Art Lounge angefertigte. Ein grauer Streifen teilt exakt die Raumhöhe, 10 gerahmte, collagierte Arbeiten an die Wand gelehnt verstärken den räumlichen Effekt.
Die collagierten, geklebten Zeichnungen und Malereien liegen einem poetisch-provisorischen Konzept zugrunde, das Reproduzierbarkeit, Irritation und Illusionismus vereint. Der Betrachter wird emotional und körperlich in den neuen Erfahrungsraum, in das Raumexperiment integriert. Zeichnungen von zusammen gezimmerten, plakatierten Holzwänden mit darauf collagierten skurrilen Portraits von Mensch und Tier sowie abstrakte Muster sind hier vereint. Das Rohmaterial Holz ist Hintergrund der künstlerischen Bauwelt.

Die Titel vergangener Installationen lauten u.a.: Nachbarn, halbe Höhe, Rooms Fulfilled, Gehege, Antechambre, Filmographie, lobby, get lost, Feindbilder. So kann man sich ein Bild machen, nach welchen gedanklichen Mustern und auch unter welchen sozialen Aspekten diese gebaut und arrangiert werden.
Das Thema der Nachbarschaft von Mensch und Tier; von drinnen und draußen, verschiedenen Raumschichten beschäftigen den Künstler. Es liegt ihm viel daran, nicht nur die Handzeichnung, Handgefertigtes, sondern auch reproduktive Medien, Imitationen künstlerischer Techniken einzuflechten. Kontrast und die Poesie des angeheftet Losen steht in Verbindung mit dem architektonischen Gedanken, dem Raum im Raum, dem Hineinblicken in eine gerahmte Welt aus Zitaten, die nur an die Wand gelehnt sind, die Illusionismus bzw. Illusion wie in einer Kulisse widerspiegeln. Man muss sich mit den neuen, fremden, Nachbarn, den Gesichtern, entnommen aus Zeitschriften, aus dem Internet, manchen historische Persönlichkeiten, manchen Unbekannten erst anfreunden. Man betrachtet beim Vorbeigehen aus einer beabsichtigten Distanz die skurrile, heiter-nachdenkliche Welt zwischen Realität und Abstraktion, zwischen Stabilität und Ungleichgewicht. Aus der Wiederholung verschiedener Motive entsteht ein Zeichendickicht, das die Varianten einer sehr persönlichen Bildsprache zeigt. Die Farbe Grau zieht sich, Ruhe und Kontinuität versprechend, als stabiler Streifen durch das Raumkonzept. So hat sich Schwarzwald auch schon in früheren Arbeiten mit historischen Raumerfahrungen wie etwa dem barocken Deckenbild auseinandergesetzt.

24 x 32 cm, 2003
CHRISTIAN SCHWARZWALD
1971 geboren in Salzburg
Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien
lebt und arbeitet in Berlin
Einzelausstellungen
2004 Antechamber, Derek Eller Gallery, New York
Filmografie; Galerie Koch und Kesslau, Berlin
2003 Halbe Höhe, Krinzinger Projekte, Wien
Rooms Fulfilled, Buro Empty, Amsterdam
2002 Lobby, forever and a day; Büro, Berlin
Get Lost, supersaat, Wien
Ohne Titel (Fence), mit Lee Taylor, Mülheimer Bunker, Köln
2001 Wunsch, Indianer zu werden, Kunstraum Steinhude, Wunstorf
Fussnoten und Anamorphose, Hospitalhof, Stuttgart
2000 Hintergründe / Remakes, Kulturverein/Museumsverein, Werfen
Illumination vs. Illustration, Foerderkoje, Inh. Ralf Schmitt, Berlin
Geisterbahn“, Galerie Krinzinger, Wien
Gruppenausstellungen
2004 Cathode Narcissus, loop, Raum für aktuelle Kunst, Berlin
Agents of fortune, forever and a day Büro, Berlin
doku/fiction, Kunsthalle Düsseldorf
Zwischenoriginal, praxis kunst, Wien
Koch und Kesslau, Robert Birch Gallery, Toronto
Playground, Villa Romana, Florenz
2003 Malerei II Ausstellung Nulldrei, Galerie Nagel, Köln
Invasion, Handdrawn Maps; Derek Eller Gallery, New York
Villa Romana Prize, Karl Ernst Osthaus Museum, Hagen
Hangover, the Last Judgement Project, The Rainier Room, Seattle
2002 Kippen, Foerderkoje, Inh. Ralf Schmitt, Hamburger Bahnhof, Berlin
Wir wussten schon Bescheid, Wahrscheinlichkeiten, Kunstraum Dornbirn
Get Lost II, Otto di Segno, Galerie im Traklhaus, Salzburg
2001 Rundschweigenwälderwunderbar, mit Eva Wagner und Mina Mohandes,
Galerie im Traklhaus, Salzburg;
Zauber der Zeichnung, Galerie im Traklhaus, Salzburg
Ohne Titel (Drawings), mit Ulrike Lienbacher, Galerie Krinzinger, Salzburg
2000 Das Bild des Körpers, Rupertinum, Salzburg
New Austrian Spotlight; Marmara University, Istanbul
Die Intelligenz der Hand, Rupertinum, Salzburg
Feindbilder, Synkopen Amthof, Feldkirchen
Preise und Stipendien
2001 Großer Salzburger Kunstpreis (mit Ulrike Lienbacher und Lois Renner)
Budapest Stipendium des Landes Salzburg
2004 Villa Romana Preis, Stipendium in der Villa Romana, Florenz

