
Sevda Chkoutovas Zeichnungen konfrontieren uns auf ungewöhnliche Weise mit dem Thema Kindheit. Sie schockieren und faszinieren, ziehen uns in ihren Bann, stimmen aber durchaus nachdenklich. In der Technik Graphit und Kreide auf Papier arbeitet die Künstlerin tagelang und konzentriert an ihren überdimensionalen Blättern. Die Zeichnung, das wohl unmittelbarste Medium des menschlichen Gestus, vermittelt hier konzentrierte Wirklichkeit. Als Vorlage und Inspiration zu ihren intensiven Portraits dienen der Künstlerin Kinderfotos aus ihrem Bekanntenkreis.
Dargestellt ist die große Bandbreite kindlicher Emotion von freudiger Erregung bis zu Zorn und Angst. Das kindliche Universum steckt voller schwer nachvollziehbarer Gedanken und Phantasien, die sich im übersteigerten Ausdruck der Gesichter widerspiegeln. Sevda Chkoutova liebt Kinder, sie hat Kinder betreut und studiert. Sie kennt ihre Stärken und Schwächen, idealisiert sie nie, drückt aber in ihrer Arbeit starkes Mitgefühl und Verständnis aus. Leise Zwischentöne sind hörbar, Reflexionen auf die eigene Kindheit. Die Unmittelbarkeit der Seele ist in den Zeichnungen von Sevda Chkoutova spürbar. Barbara Baum, Strabag Kunstforum

Die dargestellten Kinder zeigen die nackte Wahrheit. Der kindliche Körper wird niemals im pornographisch-voyeuristischem Sinne dargestellt sondern mit der unschuldigen und natürlichen Freude der Kinder am Nacktsein. Ihr Körperbewusstsein steht am Anfang einer Entwicklung, die mit sexueller Neugierde, freudiger Erregung und der Lust am Spiel einhergeht. Was Kinder tun, ist nicht immer ästhetisch, sie spucken, sind schmutzig, laut, gehen auf die Nerven, aber sie sind stets kreativ, spontan, wissensdurstig und offen. Die wertvolle Kindheit wird oft von dunklen Schatten begleitet obwohl Kinder in einer Welt des Lichts, einem Universum flirrender, verträumter Gedanken leben.
Wunderschöne floral-biomorphe Ornamentik im Hintergrund der Zeichnung umrahmt das dargestellte Kind wie ein Schutz, ein Umfeld das nicht näher definiert wird, das aber an die unberührte Natur erinnert. Barbara Baum, Strabag Kunstforum
Die Genauigkeit, mit der Gesten und Blicke erfasst werden, sperrt sich gegen jeglichen Romantizismus, wohl aber lässt sie Raum für diskret-humorvolle und besonnene Annäherungen an das Sujet, das Wildheit, Witz und Ungestüm ebenso beinhaltet wie Angst und Beklemmung. Spiel vermengt sich mit purem Ernst, Realität mit Fiktion.
In virtuoser Materialbeherrschung zeugen Chkoutovas Bilder vom notwendigen Feingefühl gegenüber diesen vielfältigen Stimmungslagen. Die verstörende und zugleich anziehende Wirkung der Blätter resultiert nicht zuletzt aus der intensiven und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Medium Zeichnung.
Sabine Mostegl, Basis Wien

SEVDA CHKOUTOVA
1978 geboren in Sofia, Bulgarien
1996 Abschluss des Gymnasiums für angewandte Kunst, Sofia
1998-2002 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien
Meisterklasse Sue Williams; Muntean/Rosenblum
2004/2005 Aufenthalt in Chicago
lebt und arbeitet in Wien

Ausstellungen (Auswahl)
2006 Childs Play; Galerie Chobot, Wien
Galerie am Großneumarkt, Hamburg
Contact.by.art.pl; Solvay, Krakau (Bet.)
2005 Galerie Griffin, Chicago
Gallery 1633, Chicago, USA (Bet.)
2004 Zeichnungen; Galerie am Großneumarkt, Hamburg
2003 Landscapes; Galerie Chobot, Wien (mit Christoph Buchegger)
2003 Malerin male mir; Galerie Chobot, Wien (Bet.)
2002 Sweet Harmony; Galerie Chobot, Wien
Junge Kunst, ART Innsbruck (Bet.)
Kunst Wien, MAK-Kunstmesse, Wien (Bet.)
2001 Triagonal; Kupferstichkabinett Akademie der bildenden Künste, Wien (Bet.)
Graffinova – Internationale Ausstellung für Grafik; Vaasa, FL (Bet.)
2000 Galerie 11, Sofia
Galerie Griffin, Chicago, USA
1999 Meisterklasse Sue Williams; Kupferstichkabinett Akademie der bildenden
Künste, Wien (Bet.)
1996 Galerie Nava, Sofia, BG
Women - creators on the two seas; Ausst.der UNESCO, Thessaloniki (Bet.)
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