Serie Paradies, Kohle auf Papier, 2007<br><br>
Serie Paradies, Kohle auf Papier, 2007

BIRGIT PLESCHBERGER - WELCOME TO PARADISE

Birgit Pleschberger zeigt in ihrer Ausstellung mit dem Titel “welcome to paradise” eine Reihe großformatiger, aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzter Zeichnungen aus der Serie “Paradies” Diese Serie widmet sich unter anderem der Frage der Eigenständigkeit bzw. Abhängigkeit des Menschen, seiner Fähigkeit oder Unfähigkeit autonom zu handeln. Die dargestellten Figuren tragen zwar einerseits eindeutig menschliche Züge, ihre Lebendigkeit wird jedoch in Frage gestellt dadurch, dass sie gleichzeitig wie Marionetten an Fäden hängen und ihre Körper aus einzelnen Puppengliedern zusammengesetzt sind.
Die Stimmung, die die Bilder vermitteln, schwankt. Oft scheint heitere Verspieltheit und fast paradiesische Sorglosigkeit vorzuherrschen, dann wiederum drängt sich eine düstere Unheimlichkeit in den Vordergrund und drängt die Szenen beinahe ins Groteske. Bewußt wird der Betrachter hin- und hergerissen zwischen mehr oder weniger diffusen Gefühlen und die Frage stellt sich, ob die dargestellten Szenen wirklich das Paradies – wie im Titel impliziert – darstellen können, oder ob eine Form des Paradieses überhaupt möglich ist.

 

Serie Paradies, Kohle auf Papier, 2007<br><br>
Serie Paradies, Kohle auf Papier, 2007

Birgit Pleschbergers Zeichnungen der Serie Paradies beginnen uns trotz ihres Titels und der doch zumeist heiteren Situationen, die sie darstellen, langsam jedoch konstant zu beunruhigen. Sie zeigen durchaus paradiesische Zustände: lachende, trotzige aber doch zufriedene, manchmal nachdenkliche Gesichter junger Menschen, die sich dem Spiel, dem Müßiggang, der Heiterkeit und dem gemeinsamen Entspannen widmen. Sie scheinen sich noch einer kindlichen Unbeschwertheit hingeben zu können, die wir so oft vermissen und die uns gerade deshalb die Kindheit als paradiesischen Zustand verklären lässt...
Doch dann tritt jähes Unbehagen hinzu. Die jungen Leute - Freunde und Bekannte der Künstlerin, sowie sie selbst – sind trotz ihrer Lebendigkeit nicht am Leben, denn sie sind Puppen, Marionetten, die sich ihrer Fäden, die sie an ihrem Platz halten und somit auch ihrer Abhängigkeit von dem, der die Fäden hält, nicht bewusst zu sein scheinen. Dafür tun wir das: wir können die sichtbar werdenden Gelenke, Schrauben, Nägel, Körperglieder und vor allem Fäden nicht so einfach ausblenden. Die Marionetten erscheinen fröhlich, geradezu glücklich in ihrem Tun; man gewinnt den Eindruck, als stehe ihnen das Paradies eben nur deswegen offen, weil sie Marionetten sind, somit ihrer Abhängigkeiten von Fäden und Schwerkraft gleichmütig gegenüber stehen, sich ihrer schlichtweg nicht bewusst sind und deshalb auch keinen Gedanken daran verschwenden und sich dem glücklichen, (fast) perfekten Augenblick vollends hingeben können....
Und doch tritt ein Moment des Unheimlichen hinzu, das die Marionette und auch die Puppe als solche wohl immer wieder mit sich bringt, und das uns sowie bildende KünstlerInnen über Generationen hinweg immer wieder so an der Marionette/der Puppe faszinierte: ihre Stellung zwischen unbelebten Objekt versehen mit allzu menschlichen Zügen und doch irgendwie beseeltem Subjekt, das einerseits selbstzufrieden und scheinbar glücklich sich seiner Abhängigkeiten nicht bewusst ist, uns als Betrachtende jedoch ständig damit konfrontiert und andererseits auch ein gewisses Potential zum Widerstand in sich trägt.
Stefanie Grünangerl

aus der Serie Waiting for something to explode<br>bearbeitete Digitalfotografie, 2006 <br>
aus der Serie Waiting for something to explode
bearbeitete Digitalfotografie, 2006

Birgit Pleschbergers künstlerische Arbeit umfasst die verschiedensten Medien - von der Zeichnung und Grafik über die Malerei bis hin zu Objekt, Installation und Neue Medien. Ein Kennzeichen ihrer Arbeit ist es also, sich generell nicht durch ein bestimmtes Medium festlegen und so auch nicht einschränken zu wollen - zuerst entsteht die Idee, der Inhalt und sodann wird das passende Mittel zu dessen Umsetzung gefunden. Die Fragen, die sich die Künstlerin in ihrer Arbeit stellt, sind häufig zutiefst menschliche, auch existenzielle - auch wenn dies für den Betrachter nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist. Sie bedient sich einer Bildsprache, die oft nicht direkt zu übersetzen ist, die aber durch ihre gefühlsmäßige Unmittelbarkeit anregt.

o.T.Serie Marionettes,<br>Schwarzkreide auf Papier,100 x 70cm, 2006<br>
o.T.Serie Marionettes,
Schwarzkreide auf Papier,100 x 70cm, 2006

Die Zeichnungen von Birgit Pleschberger deuten uns eine Welt an, in der sich Realität und Spiel vermischen. Die Figuren, die sie darstellt, verkörpern so etwas wie Schatten der einzelnen Personen, konkret und doch gleichsam nur angedeutet. So stellen sich dem Betrachter auf subtile Weise Fragen, die nur aus ihm selbst entspringen können. „Lass uns ein Spiel spielen - rate, an was denke ich?“.
Und trotzdem, die Personen, die in dieser kindlichen Welt existieren, sind doch dominiert durch Regeln von Erwachsenen. Die Figuren verwandeln sich in Menschen und die Menschen wiederum entheben sich der eigenen Identität.
„Sag mir, wer zieht an den Fäden?“
Marie-Christine Laurel

Birgit Pleschbergers gezeichnete Marionetten zeugen von Macht, Gewalt und Verletzung. Die Figuren  mit Scharnieren sind körperlichen Einschränkungen, einer Marionette ähnlich, ausgesetzt. Mag. Florian Steininger, Kurator Ba-Ca Kunstforum, Wien
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Birgit Pleschberger

1978        in Villach geboren
1997-03 Studium an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Ruedi Arnold
1999  Stipendium an der Sommerakademie Salzburg/ Klasse Zhou Brothers
2002  Arbeitsstipendium „artists in recidence“, Bildungshaus St. Virgil
2002  Atelier des Landes Salzburg für Kroatien
2003/04 Slavi-Soucek-Arbeitsstipendium des Landes Salzburg
2004  Atelier des Landes Salzburg für Budapest
2004  Kunstankauf des Landes Salzburg
2006 Atelier des Landes Salzburg für Paris
2006  Kunstankäufe des Landes Kärnten und des Bundeskanzleramts
lebt und arbeitet in Salzburg

www.whiteclub.at

Chatelet“, aus der Serie „Les Mortvivants De Paris“<br>2006, analoge s/w Fotografie, Auflage 1/4+, 37,8 x 25,3 cm, kaschiert<br>
Chatelet“, aus der Serie „Les Mortvivants De Paris“
2006, analoge s/w Fotografie, Auflage 1/4+, 37,8 x 25,3 cm, kaschiert

Ausstellungen (Auswahl)
2008  Jeune Création Européenne; Art Exhibition Hall, Litauen u.Traklhaus, Salzburg,
          Welcome to Paradis, Strabag Artlounge
2007  Hundsleben; Galerie Eboran, Salzburg
          Waiting for something to explode; Café Cult, Salzburger Kunstverein
          Nuit écarlate; Théatre de Montrouge, Montrouge 
          Tumbleweed; MuseAV Nizza 
          Sculpture sur prose; Galerie Simeza, Bukarest
          RaumFreiheit; Hallein Salzburg
          Blickwechsel n°3; Museum Moderner Kunst Kärnten
          Waiting for something to explode; Café Cult im Salzburger Künstlerhaus
          Ausstellung Landesankäufe Salzburg; Traklhaus, Salzburg (Gruppenaust.)
2006  Galerie Amorthaus, Berchtesgaden (Gruppenaust.)
         Zwischendurch; Salzburger Kunstverein (Gruppenaust.)
         Multiplier, Space 1; im Offspace „Whiteclub“, Salzburg (Gruppenaust.)
         Teilnahme an der Aktion: Parapluies dans la ville; Centre Pompidou, Paris
          Parapluies dans la ville; Centre Wallonie-Bruxelles, Paris (Gruppenaust.)
2005  Galerie „Amorthaus“, Berchtesgaden
          Salzburger Kunstverein (Gruppenaust.)
2004  In the studio; Ausstellung im Rahmen des Auslandsatelieraufenthalts,      Budapest
         Studio im Traklhaus,  Salzburg
         Galerie der KHG, Salzburg
2003  Galerie alcatraz, Hallein
2002  Salzburger Kunstverein (Gruppenaust.)
         St. Virgil, Salzburg

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